Unabhängiger Kfz-Sachverständiger · VFK-geprüft

Die 130-Prozent-Regel: reparieren trotz Totalschaden

Michael DorzweilerVFK-geprüfter Kfz-Sachverständiger

Kostet die Reparatur nach einem unverschuldeten Unfall mehr, als Ihr Auto wert ist, spricht man von einem wirtschaftlichen Totalschaden. Die 130-Prozent-Regel erlaubt es trotzdem, das eigene Auto reparieren zu lassen: Liegen die Reparaturkosten laut Gutachten höchstens 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert, zahlt die Versicherung des Verursachers unter bestimmten Voraussetzungen die Reparatur. Welche das sind und wo die Grenze liegt, erkläre ich hier.

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Roter Mercedes mit zerstörter Front und eingedrückter Motorhaube in einer Werkstatthalle
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Regel: Reparaturkosten bis 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert können ersetzt werden, wenn Sie Ihr Auto behalten möchten.
  • Voraussetzung 1: Die Reparatur muss fachgerecht und in dem Umfang erfolgen, den das Gutachten zugrunde legt.
  • Voraussetzung 2: Sie nutzen das Auto nach dem Unfall in der Regel mindestens sechs Monate weiter.
  • Über 130 Prozent: Dann bleibt es bei der Abrechnung als Totalschaden, eine Aufteilung gibt es nicht.

Die Begriffe: Wiederbeschaffungswert, Restwert, Totalschaden

Um die Regel zu verstehen, braucht es drei Begriffe, die in jedem Gutachten bei einem schweren Schaden vorkommen.

  • Wiederbeschaffungswert

    der Preis, den Sie für ein vergleichbares Fahrzeug auf dem Gebrauchtwagenmarkt zahlen müssten, also gleiches Modell, ähnliches Alter, ähnliche Laufleistung und ähnlicher Zustand vor dem Unfall.

  • Restwert

    der Wert, den Ihr beschädigtes Auto noch hat, etwa beim Verkauf in unrepariertem Zustand.

  • Wirtschaftlicher Totalschaden

    Die Reparaturkosten sind höher als der Wiederbeschaffungswert. Technisch ließe sich das Auto oft noch reparieren, wirtschaftlich lohnt es sich aber eigentlich nicht mehr.

Zieht man den Restwert vom Wiederbeschaffungswert ab, erhält man den Wiederbeschaffungsaufwand. Das ist der Betrag, der Ihnen bei einer Abrechnung als Totalschaden in der Regel zusteht.

Alle drei Werte stellt der Sachverständige im Gutachten fest. Ohne diese Zahlen lässt sich die 130-Prozent-Regel gar nicht prüfen.

Was die 130-Prozent-Regel besagt

Normalerweise bekommen Sie bei einem wirtschaftlichen Totalschaden den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts. Damit können Sie sich ein vergleichbares Auto kaufen. Viele Menschen möchten aber ihr eigenes Auto behalten: weil sie es kennen, weil es gepflegt ist oder weil sie wissen, wie es gefahren wurde. Die Rechtsprechung nennt das Integritätsinteresse.

Der Bundesgerichtshof trägt diesem Interesse Rechnung. Wer sein Auto reparieren lässt und weiter nutzt, kann Reparaturkosten ersetzt bekommen, die bis zu 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert liegen. Das ist die 130-Prozent-Grenze. Sie gilt im Schadensersatzrecht, also für den Schaden, den die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers ersetzt. Bei einem Kaskoschaden gelten die Regeln Ihres Vertrags.

Die Voraussetzungen im Einzelnen

1. Reparaturkosten laut Gutachten höchstens 130 Prozent. Maßgeblich ist, was der Sachverständige für eine fachgerechte Reparatur ermittelt. Liegen diese Kosten mehr als 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert, greift die Regel nicht.

2. Fachgerechte Reparatur im Umfang des Gutachtens. Der Bundesgerichtshof hat 2005 entschieden, dass die Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungswert nur ersetzt werden, wenn die Reparatur fachgerecht und in dem Umfang durchgeführt wird, den der Sachverständige seiner Kostenschätzung zugrunde gelegt hat. Eine Teilreparatur oder eine Reparatur mit einfacheren Mitteln reicht dafür nicht.

3. Weiternutzung in der Regel sechs Monate. Das Integritätsinteresse muss sich zeigen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs geschieht das im Regelfall dadurch, dass Sie das Auto nach dem Unfall mindestens sechs Monate weiter nutzen. Das gilt auch, wenn in einer Fachwerkstatt repariert wurde.

Eine Reparaturbestätigung nach einer Nachbesichtigung kann belegen, dass fachgerecht und vollständig repariert wurde. Mehr dazu auf der Seite Reparaturbestätigung.

Ein Beispiel ohne Beträge

Angenommen, der Wiederbeschaffungswert Ihres Autos beträgt 100 Prozent. Der Sachverständige ermittelt Reparaturkosten von 120 Prozent dieses Werts und einen Restwert von 30 Prozent.

  • Sie lassen fachgerecht nach Gutachten reparieren und fahren das Auto weiter: Die Reparaturkosten liegen innerhalb der 130-Prozent-Grenze. Die Versicherung des Verursachers ersetzt die Reparatur, also 120 Prozent.
  • Sie lassen nicht reparieren oder verkaufen das Auto: Dann wird als Totalschaden abgerechnet. Sie erhalten den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts, im Beispiel also 70 Prozent.

Das Beispiel zeigt, warum die Entscheidung gut überlegt sein will und warum sie auf belastbaren Zahlen aus dem Gutachten beruhen sollte.

Über 130 Prozent: keine Aufteilung

Liegen die Reparaturkosten laut Gutachten mehr als 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert, ist die Reparatur nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs in aller Regel wirtschaftlich unvernünftig. Eine Aufteilung in einen Teil bis 130 Prozent, den die Versicherung zahlt, und einen Rest, den Sie selbst tragen, gibt es nicht. Es bleibt bei der Abrechnung als Totalschaden, also dem Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts.

Sie dürfen Ihr Auto trotzdem reparieren lassen, die Mehrkosten tragen dann aber Sie.

Übersicht der drei Fälle

Reparaturkosten laut GutachtenWas giltWas ersetzt wird
bis zum WiederbeschaffungswertReparaturschadendie Reparaturkosten
bis 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert130-Prozent-Regel, wenn fachgerecht repariert und weiter genutzt wirddie Reparaturkosten, sonst Abrechnung als Totalschaden
mehr als 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswertwirtschaftlicher Totalschaden, keine AufteilungWiederbeschaffungswert abzüglich Restwert

Fragen und Antworten

Häufige Fragen zur 130-Prozent-Regel

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Die erste Einschätzung am Telefon ist kostenlos.

0176 56500410

Wie berechnet man die 130-Prozent-Grenze?

Man vergleicht die Reparaturkosten laut Gutachten mit dem Wiederbeschaffungswert. Liegen sie höchstens 30 Prozent darüber, ist die Grenze eingehalten. Beide Werte stellt der Sachverständige im Gutachten fest.

Was bekommt man ausgezahlt, Restwert oder Wiederbeschaffungswert?

Bei der Abrechnung als Totalschaden erhalten Sie den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts. Das beschädigte Auto behalten Sie oder verkaufen es zum Restwert. Mehr dazu auf der Seite Restwertermittlung.

Was passiert, wenn die Reparatur über 130 Prozent liegt?

Dann ist die Reparatur nach der Rechtsprechung in aller Regel wirtschaftlich unvernünftig. Ersetzt wird nur der Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts. Eine Aufteilung der Reparaturkosten gibt es nicht.

Muss ich das Auto nach der Reparatur behalten?

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zeigt sich das Interesse am eigenen Auto im Regelfall durch eine Weiternutzung von mindestens sechs Monaten nach dem Unfall. Fragen zu Ihrem konkreten Fall klärt ein Anwalt für Verkehrsrecht.

Kann ich mir die Reparaturkosten bei einem wirtschaftlichen Totalschaden auszahlen lassen?

Nicht ohne Reparatur. Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungswert werden nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nur ersetzt, wenn tatsächlich fachgerecht und im Umfang des Gutachtens repariert wird und Sie das Auto weiter nutzen. Lassen Sie nicht reparieren, wird in der Regel als Totalschaden abgerechnet.

Kontakt

So helfe ich Ihnen

Ob sich eine Reparatur lohnt, entscheidet sich an den Zahlen im Gutachten: Reparaturkosten, Wiederbeschaffungswert und Restwert. Ich stelle sie fest, damit Sie entscheiden können. Mehr dazu unter Reparaturschaden und Unfallgutachten. Rufen Sie an oder schreiben Sie per WhatsApp: 0176 56500410, rund um die Uhr.

KFZ Sachverständigenbüro Dorzweiler, Brucknerstraße 12, 78256 Steißlingen

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